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4. Waldkongress in Frankfurt

4. Waldkongress in Frankfurt

Freitag, 6.2.2026

Liebe Freund:innen,

Der 4. Waldkongress am Donnerstag (5.02.26) hat erneut gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Fachwissen und Praxis ist – und wie dringlich die Fragen rund um den Erhalt unserer Wälder bleiben. Mit rund 200 Teilnehmer:innen aus Wissenschaft, Forstpraxis, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Naturschutz haben wir über die Rolle digitaler Technologien und insbesondere Künstlicher Intelligenz bei der Anpassung der Wälder an die Folgen der Klimakrise diskutiert.

Künstliche Intelligenz ist kein Heilsversprechen, aber sie kann ein wichtiges Werkzeug sein, um Klimastress, Risiken und Schäden früher zu erkennen und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist – und das darf nicht vergessen werden –, dass neue Technologien die Erfahrung der Forstpraxis unterstützen, nicht ersetzen.

Ein weiterer Punkt, der mir im Hinblick auf den Ressourcenverbrauch von KI wichtig ist: Rechenzentren verbrauchen Energie, Datenverarbeitung kostet Ressourcen. Technologie kann Teil der Lösung sein – oder Teil des Problems.

Der Waldkongress hat sich seit seiner Premiere 2019 bundesweit als zentraler Ort des fachlichen Austauschs etabliert. Was als Reaktion auf erste aufeinanderfolgende Trockenjahre begann, ist heute aktueller denn je. Wir erleben keinen Ausnahmezustand mehr, sondern einen neuen Normalzustand. Der Wald steht mitten in einer tiefgreifenden Veränderung und wir müssen ihn aktiv gestalten, damit wir unsere Wälder und damit einen Teil unserer Lebensgrundlage erhalten. In sechs Fachvorträgen zeigten Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis, wie digitale Waldzustandserfassung, Fernerkundung, KI-gestützte Risikoanalysen oder sogenannte digitale Zwillinge helfen können, Waldgesundheit, Waldbrandgefahr, Schädlingsbefall sowie die Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen besser einzuschätzen. Die daraus resultierende Gretchen-Frage stellte Biologin und Buchautorin Dr. Frauke Fischer im letzten Vortrag „Kann KI die Natur retten?“.

Tragfähige Leitlinien für die künftige Entwicklung des Frankfurter Stadtwaldes zu erarbeiten, das ist auch das Ziel des „Walddialogs“, den wir im Herbst 2025 gestartet haben. Erstmalig haben sich in Frankfurt Naturschutzverbände, Wissenschaft, Verwaltung und Forstpraxis zu gemeinsamen Gesprächen getroffen und über die Zukunft des Frankfurter Stadtwaldes diskutiert. Denn es braucht beides: neues Wissen und einen offenen Dialog. Unser übergeordnetes Ziel war und ist stets die Zukunftsfähigkeit dieses wertvollen Stadtwaldes als Natur-, Erholungs- und Klimaraum für Frankfurt zu erhalten.

Ein zentrales Ergebnis des Walddialogs ist die Entscheidung, ein flächenscharfes Gutachten für den Frankfurter Stadtwald zu beauftragen. Dieses soll sowohl Prozessschutzflächen als auch Bereiche für eine zurückhaltende, ökologisch begründete Waldpflege definieren und die Grundlage für politisch fundierte Entscheidungen bilden. Die im Walddialog beteiligten Akteure sollen regelmäßig in die Erarbeitung dieses Handlungskonzeptes eingebunden werden.  

Liebe Freund:innen, Der Wald ist mehr als eine Grünfläche. Er ist Teil unserer Identität, Lebensraum für viele Arten, ein zentraler Beitrag zum Klimaschutz und ein unverzichtbarer Erholungsraum. Der Wald der Zukunft entsteht jetzt: In der Praxis, in den Kommunen und im gemeinsamen Dialog. Ich appelliere damit auch an Land und Bund, die Kommunen finanziell zu stärken, für verlässliche Förderstrukturen und klare rechtliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Städte wie Frankfurt zeigen: Kommunen können Treiberin von Transformation sein. Wir investieren konsequent in eine klimaresiliente Zukunft unseres Stadtwaldes, in Kooperation mit Wissenschaft und Praxis. Die Zukunft unserer Wälder ist eine Generationenaufgabe. Wir brauchen daher eine Politik, die sich nicht an kurzfristigen politischen Stimmungen orientiert, sondern Umweltschutz und Klimaanpassung als Pflichtaufgabe begreift!

Eure Tina