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Aktuelle Fragestunde: Kostenloses Betreuungsjahr

Donnerstag, 9.6.2022

Stadtverordnete Lena-Sophie Ulrich, GRÜNE:

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Die Betreuung unserer kleinsten Frankfurterinnen und Frankfurter liegt uns natürlich allen am Herzen, denn sie sind die Zukunft unserer Stadt. Deshalb vielen Dank an die LINKE.-Fraktion für diese Frage und auch für die Anmeldung zur Aktuellen Stunde. Zu unserer Antwort: Dass Kinder in ihren ersten Lebensjahren in der Kita oder in der Tagesfamilie betreut werden, wird immer selbstverständlicher. Es ist natürlich auch gut so, denn wir wollen, dass die Kleinsten bereits früh gemeinsam spielen, lernen, neue Dinge erfahren und sich aufeinander einlassen. Deshalb gibt es seit 2013 auch für ein- und zweijährige Kinder einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf die Förderung in einer Kita oder in einer Tagesfamilie. Damit dieser Rechtsanspruch nun auch durchgesetzt werden kann, brauchen wir zwei Dinge: Wir brauchen genug Kitas und Tagesfamilien, wir brauchen aber auch genügend Fachkräfte, die sich gut und kindgerecht um unsere Kleinsten kümmern können. In Frankfurt steigen die Kinderzahlen seit 20 Jahren an, in den Kitas und Krippen gibt es kaum noch frei gemeldete Plätze und bereits Versorgungsengpässe in einigen Stadtteilen. Deshalb müssen wir in den nächsten fünf Jahren fast 1.900 neue Plätze für unter Dreijährige schaffen. Das ist die erste Herausforderung, die uns viel Geld kosten wird. Aber eine Kita und Krippe funktioniert nicht ohne gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher, die nicht überlastet sind und sich mit voller Hingabe den Kindern widmen, ihnen ein Geborgenheitsgefühl vermitteln und sich Zeit für die kleinen heranwachsenden Persönlichkeiten nehmen können.

Auch für die Qualifizierung und Weiterbildung dieser Fachkräfte wird die Stadt Frankfurt weiterhin erhebliche Mengen an Geld in die Hand nehmen. Das ist und bleibt unsere Priorität. Wir wollen aber auch, dass jede Familie nicht nur das Recht, sondern auch die faktische finanzielle Möglichkeit auf einen Kitaplatz für ihre Kleinsten hat. Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ist die Möglichkeit bereits gegeben, da der Kitaplatz, gerade auch durch die Mitfinanzierung des Landes, kostenlos ist. Im Koalitionsvertrag planen und prüfen wir weitere kostenlose Betreuungsjahre und - auch wenn wir es uns manchmal anders wünschen - wir müssen dabei auch den Haushalt im Blick behalten.

                              (Beifall)

Denn auch für uns ist es ein untragbarer Zustand, wenn Kindern von Familien, einfach weil diese sich diese 189 Euro im Monat, was auch viel Geld ist, für einen Ganztagskitaplatz nicht leisten können, damit der Zugang zu essenzieller frühkindlicher Bildung erst später als anderen Kindern ermöglicht wird. Um das zu verhindern, müssen wir geeignete Wege finden, und wir haben auch schon geeignete Wege gefunden, auch neben einem zusätzlichen kostenlosen Kitajahr, zum Beispiel durch Ermäßigung, Kostenbefreiung und Geschwisterkindregelung. Wir reden so gerne von Chancengleichheit, von Bildungs- und sozialer Gerechtigkeit. Die Grundlagen dafür werden in diesen jungen Jahren gelegt. Deshalb sorgen wir für genügend Kitaplätze mit gutem Personal. Aber dass sich das auch alle Familien leisten können müssen, werden wir dabei auf keinen Fall vergessen.

Vielen Dank!

                              (Beifall)